Stringing beim 3D-Druck: Fäden zwischen Teilen vermeiden
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Stringing sind feine Kunststofffäden, die sich zwischen getrennten Teilen eines Drucks spannen, zum Beispiel zwischen zwei Türmen. Im harmlosen Fall sind es ein paar Härchen, die man mit dem Föhn oder einem Feuerzeug kurz entfernt. Im schlimmen Fall sieht das Teil aus wie mit Spinnweben überzogen.
Warum entstehen die Fäden?
Wenn der Druckkopf von einer Stelle zur nächsten fährt, ohne zu drucken, ist die Düse weiterhin heiß. Flüssiger Kunststoff kann dabei aus der Düse nachlaufen und zieht beim Wegfahren einen Faden. Je flüssiger das Material und je länger die Leerfahrt, desto mehr Fäden.
Die Ursachen, sortiert nach Häufigkeit
1. Feuchtes Filament
Feuchtigkeit im Filament verdampft in der heißen Düse. Der Dampf drückt Material heraus, auch wenn der Drucker gar nicht drucken will. Typische Zeichen: Knistern oder Knacken beim Drucken, kleine Bläschen, raue Oberfläche.
Lösung: Filament trocknen. Wie das geht und welche Temperaturen passen, steht in Filament trocknen und lagern. Gerade bei PETG und TPU ist das die häufigste Ursache.
2. Zu hohe Drucktemperatur
Je heißer, desto dünnflüssiger der Kunststoff, und desto leichter läuft er nach.
Lösung: Temperatur in 5-Grad-Schritten senken. Am schnellsten findest du den besten Wert mit einem Temperaturturm. Wie das funktioniert, erklärt Drucktemperatur richtig einstellen.
3. Zu wenig Retraction
Bei der Retraction zieht der Drucker das Filament vor jeder Leerfahrt ein kleines Stück zurück, damit nichts nachtropft. Ist der Rückzug zu kurz oder zu langsam, wirkt er nicht.
Lösung: Rückzug in kleinen Schritten erhöhen.
| Bauweise | Typische Rückzugslänge | Typische Geschwindigkeit |
|---|---|---|
| Direct Drive | 0,5 bis 2 mm | 30 bis 45 mm/s |
| Bowden | 4 bis 7 mm | 30 bis 50 mm/s |
Nicht übertreiben: Zu viel Rückzug kann Material in kalte Bereiche ziehen und die Düse verstopfen.
4. Ungünstige Leerfahrten
Fährt der Druckkopf quer über offene Bereiche statt über bereits gedruckte Flächen, entstehen mehr sichtbare Fäden.
Lösung: Im Slicer die Option zum Vermeiden von Wandüberquerungen aktivieren (“Avoid crossing walls” oder ähnlich). Eine etwas höhere Fahrgeschwindigkeit verkürzt die Zeit, in der Material nachlaufen kann.
5. Material, das von Natur aus zieht
PETG und TPU neigen deutlich stärker zu Stringing als PLA. Ein paar feine Härchen sind bei diesen Materialien normal.
Lösung: Erst trocknen, dann Temperatur und Retraction anpassen. Was übrig bleibt, lässt sich mit einem Heißluftföhn in Sekunden entfernen.
Schnell-Checkliste
- Filament trocken? Falls unsicher: trocknen.
- Temperatur am unteren Ende der Herstellerangabe?
- Retraction passend zur Bauweise eingestellt?
- “Wandüberquerungen vermeiden” im Slicer aktiv?
- Einen kleinen Stringing-Test drucken, bevor du das große Teil startest.
Ändere immer nur eine Einstellung pro Testdruck. Sonst weißt du am Ende nicht, was geholfen hat.