Elefantenfuß beim 3D-Druck: Wenn die unterste Schicht ausbeult
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Beim Elefantenfuß sind die untersten Schichten eines Drucks breiter als der Rest. Am Boden entsteht eine kleine Lippe, die nach außen absteht. Bei Deko stört das kaum, bei Teilen, die genau passen müssen, schon: Deckel klemmen, Teile lassen sich nicht zusammenstecken, Kanten sehen unsauber aus.
Woran erkennst du einen Elefantenfuß?
- Die unterste Kante steht wie ein schmaler Wulst nach außen.
- Ein gemessenes Maß stimmt oben, ist aber unten einige Zehntelmillimeter zu groß.
- Die Lippe ist rundum gleichmäßig. Ist sie nur an einer Seite, liegt eher ein Problem mit dem Leveling vor.
Nicht verwechseln mit Warping: Dort heben sich die Ecken vom Bett. Beim Elefantenfuß klebt alles fest, nur eben zu breit. Mehr zum Abheben steht in Warping.
Warum entsteht er?
Die erste Schicht wird absichtlich etwas auf das Bett gedrückt, damit sie gut hält. Dabei wird sie breiter als die Schichten darüber. Dazu kommt Wärme von unten: Das beheizte Bett hält die untersten Schichten länger weich. Das Gewicht der Schichten darüber drückt sie dann noch weiter nach außen.
Ein wenig Elefantenfuß ist deshalb bei fast jedem Druck normal. Zum Problem wird er, wenn mehrere Ursachen zusammenkommen.
Die Ursachen, sortiert nach Häufigkeit
1. Z-Offset zu niedrig
Ist die Düse in der ersten Schicht zu nah am Bett, wird das Material stark plattgedrückt und quillt seitlich heraus. Das ist die häufigste Ursache.
Lösung: Z-Offset in kleinen Schritten von etwa 0,02 mm anheben. Die erste Schicht sollte leicht flachgedrückt aussehen, die Linien sollten sich berühren, aber nicht zu einem glänzenden, wulstigen Film verschmelzen. Wie eine gute erste Schicht aussieht, steht in Erste Schicht hält nicht.
2. Bett zu heiß
Ein heißes Bett hält die unteren Schichten lange weich. Bei PLA reichen meist 55 bis 60 °C. Wer bei PLA 70 °C oder mehr nutzt, bekommt fast sicher einen Elefantenfuß. Bei PETG gibt es das Problem ebenfalls, wenn Bett und Düse am oberen Ende der Herstellerangabe laufen.
Lösung: Betttemperatur in 5-Grad-Schritten senken, solange die Haftung noch gut ist. Auch eine um 5 bis 10 °C niedrigere Düsentemperatur in der ersten Schicht kann helfen. Richtwerte findest du im Artikel zu deinem Material, etwa PLA oder PETG.
3. Zu viel Material in der ersten Schicht
Manche Profile drucken die erste Schicht mit erhöhtem Fluss oder breiteren Linien, damit sie besser haftet. Ist das zu viel, quillt das Material seitlich heraus. Ein insgesamt zu hoher Flusswert verstärkt das Ganze.
Lösung: Im Slicer prüfen, ob für die erste Schicht ein eigener Flusswert gesetzt ist, und ihn auf 100 % zurücknehmen. Ist der Fluss generell zu hoch, hilft eine Flusskalibrierung, siehe Überextrusion.
4. Wenig Kühlung in den ersten Schichten
Die meisten Profile lassen den Bauteillüfter in den ersten Schichten aus, damit die Haftung stimmt. Bei PLA kann es helfen, den Lüfter schon ab Schicht 2 oder 3 voll einzuschalten statt erst später.
Slicer-Option: Elefantenfuß-Kompensation
Die meisten Slicer haben eine Einstellung, die die erste Schicht gezielt nach innen verkleinert. Die Linien quellen dann zwar immer noch nach außen, landen aber am Sollmaß.
| Slicer | Wo zu finden | Hinweis |
|---|---|---|
| PrusaSlicer | Druckeinstellungen, Erweitert, Elefantenfußkompensation | in den Prusa-Profilen standardmäßig aktiv, Richtwert 0,2 mm bei 0,4-mm-Düse |
| Bambu Studio | Prozess, Qualität, Elefantenfußkompensation | verkleinert die erste Schicht automatisch |
| OrcaSlicer | Prozess, Qualität, Präzision | zusätzlich einstellbar, über wie viele Schichten die Kompensation läuft |
Ein Startwert von 0,1 bis 0,2 mm passt für die meisten Drucke mit 0,4-mm-Düse. Sehr feine Strukturen in der ersten Schicht können durch zu viel Kompensation verschwinden oder schlecht haften. Aktuelle Versionen von PrusaSlicer erkennen dünne Linien und verkleinern sie weniger stark.
Wichtig: Die Kompensation kaschiert nur das Ergebnis. Ist der Z-Offset deutlich zu niedrig, behebe zuerst das.
Am Modell selbst vorbeugen
Wenn du das Teil selbst konstruierst, gibt es einen einfachen Trick: Die untere Kante mit einer kleinen Fase versehen, zum Beispiel 0,5 mm unter 45 Grad. Die ausgequollene Schicht füllt dann die Fase, statt überzustehen. Bei Passungen kannst du die unteren 0,2 bis 0,4 mm auch gezielt etwas kleiner modellieren.
Was schon gedruckt ist, lässt sich mit einem Entgrater oder einem scharfen Messer nacharbeiten. Bei sichtbaren Teilen ist das allerdings Handarbeit, die man lieber vermeidet.
Schnell-Checkliste
- Lippe rundum gleich? Dann ist es Elefantenfuß, kein Leveling-Problem.
- Erste Schicht zu stark gequetscht? Z-Offset um 0,02 mm anheben.
- Betttemperatur am unteren Ende für das Material?
- Erste Schicht ohne erhöhten Fluss?
- Elefantenfuß-Kompensation im Slicer aktiv, Startwert 0,1 bis 0,2 mm?
- Bei eigenen Modellen: kleine Fase an der Unterkante einplanen.
Weiter mit: Überextrusion, wenn auch die Wände darüber zu dick sind.