Löcher und Lücken in der Oberseite (Pillowing) beheben
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Die Oberseite eines Drucks soll eine geschlossene, glatte Fläche sein. Manchmal ist sie das nicht: Es gibt kleine Löcher, raue Stellen oder Beulen, die wie ein aufgeplustertes Kissen aussehen. Daher kommt der englische Name Pillowing. Meist liegt es nicht an einem Defekt, sondern an ein paar Einstellungen im Slicer.
Woran erkennst du Pillowing?
- Löcher oder Spalten zwischen den Linien der obersten Schicht.
- Beulen und Wölbungen auf flachen Flächen, besonders auf großen.
- Das Infill-Muster zeichnet sich ab, die Gitterlinien darunter sind durch die Oberseite zu sehen.
- Das Problem tritt nur oben auf, Wände und Unterseite sind in Ordnung.
Sind auch Wände dünn und löchrig, ist eher Unterextrusion die Ursache. Dann zuerst dort ansetzen.
Warum entsteht es?
Die oberste geschlossene Fläche wird nicht auf eine massive Unterlage gedruckt, sondern auf das Infill. Zwischen den Infill-Linien ist Luft. Die ersten Deckschichten müssen diese Lücken überspannen, ähnlich wie eine kleine Brücke. Dabei hängen sie leicht durch oder reißen auf. Erst die nächsten Schichten glätten das Ganze. Sind es zu wenige, bleibt die unruhige Struktur sichtbar.
Die Ursachen, sortiert nach Häufigkeit
1. Zu wenige Deckschichten
Das ist die häufigste Ursache. Jede zusätzliche Deckschicht glättet die Fläche weiter. Prusa empfiehlt mindestens 3 obere Schichten. Wichtiger als die Anzahl ist aber die Gesamtdicke: Die Prusa-Profile setzen eine Mindestdicke der Oberseite von 0,7 mm.
| Schichthöhe | Deckschichten für etwa 0,7 bis 1 mm |
|---|---|
| 0,1 mm | 7 bis 10 |
| 0,2 mm | 4 bis 5 |
| 0,3 mm | 3 bis 4 |
Lösung: Anzahl der oberen Deckschichten erhöhen oder im Slicer eine Mindestdicke für die Oberseite angeben. Bei niedrigen Schichthöhen brauchst du entsprechend mehr Schichten. Details zu Wänden und Deckschichten stehen in Wände und Deckschichten.
2. Zu wenig Infill
Bei sehr geringer Dichte sind die Lücken zwischen den Infill-Linien groß. Die erste Deckschicht muss weite Strecken überspannen und hängt stärker durch.
Lösung: Infill auf mindestens 10 bis 15 % setzen. Die Prusa-Profile starten bei 15 %. Willst du bei Deko-Teilen sehr wenig Infill nutzen, gleiche das mit zusätzlichen Deckschichten aus. Mehr in Infill einstellen.
3. Zu wenig Kühlung
Die erste Deckschicht über dem Infill verhält sich wie eine Brücke. Kühlt sie zu langsam ab, sackt sie zwischen den Infill-Linien ein und reißt auf. Bei PLA ist das besonders auffällig, wenn der Lüfter gedrosselt ist.
Lösung: Bei PLA den Bauteillüfter für die oberen Schichten auf volle Leistung lassen. Bei PETG, ABS und ASA reicht oft schon etwas mehr Lüfter als im Grundprofil. Mehr dazu in Kühlung.
4. Unterextrusion
Fehlt generell Material, bleiben auch auf der Oberseite Lücken. Hier helfen mehr Deckschichten nur begrenzt. Bambu Lab nennt einen leicht zu niedrigen Flusswert als häufigsten Grund für gleichmäßige Lücken in der obersten Schicht.
Lösung: Flusskalibrierung durchführen, Düse und Extruder prüfen. Die vollständige Fehlersuche steht im oben verlinkten Artikel zur Unterextrusion.
5. Zu schnell gedruckte Oberseite
Wird die oberste Schicht sehr schnell gedruckt, legen sich die Linien weniger sauber nebeneinander. Viele Profile drucken die obere Fläche deshalb langsamer als das Infill.
Lösung: Geschwindigkeit für die oberste Schicht reduzieren, falls dein Profil hier den gleichen Wert wie für Infill nutzt.
Slicer-Hilfen gegen Pillowing
- Zusätzliche Brückenschicht: Einige Slicer, etwa OrcaSlicer, können eine extra Brückenschicht über dem Infill drucken. Das stützt die Deckschichten und reduziert Pillowing.
- Dichteres Infill nur unter der Oberseite: Manche Slicer erzeugen unter Deckflächen automatisch dichteres Infill.
Ironing kurz erklärt
Ironing, auf Deutsch Glätten oder Bügeln, ist ein zusätzlicher Durchgang auf der obersten Schicht. Die heiße Düse fährt noch einmal mit sehr wenig Material über die Fläche und schmilzt Unebenheiten glatt. Der Fluss liegt dabei nur bei etwa 50 bis 70 % des normalen Werts.
Das Ergebnis sind sehr glatte, matte Flächen. Der Nachteil: Ironing kostet viel zusätzliche Zeit und funktioniert nur auf flachen, waagerechten Flächen. Es ist ein Feinschliff für eine Oberseite, die schon geschlossen ist. Echte Löcher durch zu wenige Deckschichten oder Unterextrusion behebt es nicht.
Schnell-Checkliste
- Nur die Oberseite betroffen? Sonst zuerst Unterextrusion prüfen.
- Oberseite insgesamt mindestens 0,7 mm dick?
- Infill mindestens 10 bis 15 %?
- Bauteillüfter für die oberen Schichten ausreichend, bei PLA voll?
- Flusskalibrierung gemacht?
- Für besonders glatte Flächen: Ironing aktivieren.
Weiter mit: Brücken drucken, denn die erste Deckschicht über dem Infill verhält sich wie viele kleine Brücken.