Polycarbonat (PC) drucken: Temperaturen, Kammer und Warping

Filamente4 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Polycarbonat, kurz PC, kennst du von Schutzbrillen, Leuchtenabdeckungen oder Gehäusen von Elektrowerkzeugen. Im 3D-Druck ist es das Material der Wahl, wenn ein Teil Wärme und Schläge aushalten muss. Dafür braucht es sehr hohe Temperaturen und eine warme Umgebung, sonst verzieht es sich stark.

Einstellungen auf einen Blick

EinstellungRichtwert
Düsentemperatur250 bis 290 °C
Betttemperatur90 bis 120 °C
Bauteilkühlungaus oder gering, etwa 0 bis 30 %
Kammergeschlossen, am besten aktiv beheizt
Druckplattetexturiertes PEI oder Spezialplatte, mit Klebestift
Trocknen75 bis 80 °C, 6 bis 8 Stunden

Die Angabe auf der Spule geht vor. Prusa nennt für sein PC Blend zum Beispiel 275 °C Düse und 110 bis 115 °C Bett, andere Hersteller liegen bei 250 bis 270 °C.

Was PC kann

  • Hitzebeständig: Je nach Sorte liegt die Wärmeformbeständigkeit bei rund 105 bis 115 °C, also über ABS und ASA. PC eignet sich deshalb zum Beispiel für Lüfterdüsen am Drucker oder Halterungen, die im Auto in der Sonne warm werden.
  • Schlagfest und zäh: PC bricht nicht so leicht wie PLA, sondern verformt sich eher.
  • Transparente Sorten: Klares PC lässt sich drucken, wird aber durch die Schichten nie glasklar.

Die Kehrseite: PC ist eines der schwierigsten gängigen Filamente. Für den Einstieg ist es nicht geeignet.

Hohe Temperaturen: was dein Drucker können muss

Mit 250 bis 290 °C an der Düse und über 100 °C am Bett stößt PC an die Grenzen vieler Geräte. Prüfe vorher:

  1. Hotend: dauerhaft mindestens 270 °C, besser 300 °C. Ein Hotend mit PTFE-Schlauch bis in die Heizzone ist ungeeignet.
  2. Heizbett: muss 100 °C oder mehr zuverlässig halten.
  3. Gehäuse: geschlossen, sonst ist Verzug bei allem außer kleinen Teilen fast sicher.

Kammer und Warping

PC schrumpft beim Abkühlen stark und neigt, ähnlich wie Nylon, zu deutlichem Warping. Prusa schreibt sogar, dass sich PC trotz Zusätzen stark verzieht und empfiehlt eine Einhausung dringend.

Was hilft:

  • Warme Kammer: Ein geschlossener Drucker ist das Minimum. Mit aktiv beheizter Kammer gelingen auch größere Teile deutlich zuverlässiger. Eine Übersicht findest du unter Drucker mit beheizter Kammer.
  • Lüfter niedrig: Bauteilkühlung auf 0 bis 30 % reduzieren, nur für Überhänge etwas mehr.
  • Brim: 5 bis 10 mm Breite.
  • Konstruktion: abgerundete Ecken verziehen sich weniger als scharfe. Große, flache Teile über das ganze Bett möglichst vermeiden.
  • Keine Zugluft: Fenster zu, Drucker nicht neben Lüftung oder Klimaanlage.

Manche Hersteller empfehlen, das fertige Teil zu tempern, etwa 2 Stunden bei 90 °C. Das baut innere Spannungen ab.

Druckplatte und Haftung

PC haftet auf glattem PEI sehr stark und kann die Oberfläche beim Ablösen beschädigen. Prusa rät deshalb von glatten PEI-Platten ab. Besser:

  • texturierte PEI-Platte oder eine Platte für technische Materialien
  • dünne Schicht Klebestift als Trennschicht, sie schützt auch die Platte
  • Platte vor dem Ablösen vollständig abkühlen lassen

Feuchtigkeit

PC ist hygroskopisch, wenn auch weniger extrem als Nylon. Feuchtes PC zeigt Blasen, Knistern und schlechte Schichthaftung. Vor dem Druck trocknen, typische Herstellerangabe sind 75 bis 80 °C für 6 bis 8 Stunden. Wie das am besten geht, steht unter Filament trocknen.

PC-Blends: einfacher zu drucken

Reines PC ist schwierig. Deshalb gibt es Mischungen, die einen Teil der Eigenschaften behalten und sich gutmütiger drucken:

BlendWas sich ändert
PC-ABSetwas niedrigere Temperaturen, weniger Verzug, geringere Hitzebeständigkeit als reines PC
PC-PBTbessere Chemikalienbeständigkeit (Öle, Fette, schwache Säuren), schlagzäh auch bei Kälte, Wärmeformbeständigkeit um 90 °C
“PC Blend” einzelner HerstellerRezeptur meist nicht offengelegt, druckt sich leichter, verzieht bei großen Teilen trotzdem

Wenn du PC zum ersten Mal ausprobierst, ist ein Blend der sinnvollere Start. Brauchst du nur etwas mehr Hitzebeständigkeit als PLA und kein Hochleistungsteil, reicht oft schon ASA oder ABS.

Typische Probleme

ProblemHäufige UrsacheLösung
Ecken lösen sichKammer zu kalt, Lüfter anKammer vorheizen, Lüfter aus, Brim
Risse zwischen SchichtenTemperaturgefälle im Bauraumgeschlossen drucken, Düsentemperatur prüfen
Teil klebt zu festglattes PEI ohne TrennschichtKlebestift, abkühlen lassen
Blasen, Knisternfeuchtes Filamenttrocknen
UnterextrusionHotend zu kalt oder zu langsam beheiztTemperatur erhöhen, Geschwindigkeit senken

Weiter mit: Nylon (PA) drucken oder zur Filament-Übersicht.