3DBenchy: Warum alle dieses kleine Boot drucken

Kurioses & Wissen4 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Fast jeder, der einen 3D-Drucker hat, hat es schon gedruckt: ein kleines Boot mit Kajüte, Schornstein und Bullaugen. Das 3DBenchy gilt als das meistgedruckte 3D-Modell der Welt. Dahinter steckt kein Zufall, sondern ein durchdachter Test für deinen Drucker.

Woher kommt das Benchy?

Das Benchy stammt von der schwedischen Firma Creative Tools. Entworfen haben es Daniel Norée und Paulo Kiefe, veröffentlicht wurde es am 9. April 2015. Im Juli 2015 kam eine Version für Mehrfarb- und Mehrmaterialdruck dazu.

Der Name ist ein Wortspiel aus “Benchmark”, also Vergleichstest. Creative Tools nannte es selbst einen “Folter-Test” für 3D-Drucker. Die Idee: ein Modell, das schnell druckt, keine Stützen braucht und trotzdem viele typische Schwierigkeiten auf einmal enthält.

Ein paar Eckdaten im Originalmaßstab:

MerkmalWert
Länge60 mm
Breite31 mm
Höhe bis Schornstein48 mm
Volumen15,55 cm³
Druckzeitlaut Hersteller meist unter 2 Stunden

Was das Boot testet

Jeder Teil des Benchys prüft etwas anderes:

  • Rumpf: Die geschwungenen Flächen zeigen, wie gleichmäßig die Oberfläche wird und ob sich Muster wie Ghosting abzeichnen.
  • Bug: Die Unterseite des Bugs ragt flach nach vorne. Das ist ein Überhang, der gute Kühlung braucht.
  • Kajüte: Die Oberkanten von Fenstern und Tür sind Brücken, das Kajütendach ist ein weiterer Überhang.
  • Schornstein und Ankerloch: Runde Löcher und Zylinder zeigen, ob Kreise wirklich rund werden.
  • Spitze Kanten und dünne Teile: Hier sieht man Stringing, Blobs und Probleme beim Rückzug.
  • Schrift: Am Heck steht ein kleines Namensschild, auf der Unterseite eine Gravur. Das testet feine Details und die erste Schicht.
  • Symmetrie und Maße: Ist das Boot schief oder verzogen, stimmt etwas mit den Achsen oder der Haftung nicht.

Vom Testmodell zum Streitfall

Lange stand das Benchy unter der Lizenz CC BY-ND. Du durftest es frei drucken und teilen, aber keine veränderten Versionen veröffentlichen. Das hat jahrelang kaum jemanden gestört, Remixe gab es trotzdem überall.

Im März 2024 übernahm die NTI Group die Firma Creative Tools und damit die Rechte am Benchy. Im Januar 2025 entfernte die Plattform Printables Benchy-Remixe, nachdem ein Dritter sie gemeldet hatte. Die Community war empört. NTI erklärte, selbst keine Schritte unternommen zu haben. Kurz danach, am 14. Februar 2025, gaben NTI, Norée und Kiefe bekannt: Das Benchy ist jetzt gemeinfrei (Public Domain). Seitdem darfst du es verändern, remixen und weiterverbreiten, wie du willst. Was Lizenzen sonst bedeuten, steht in Lizenzen von 3D-Modellen.

Rekorde und Kurioses

Das Speed-Benchy

In der Community gibt es einen eigenen Wettbewerb: das #SpeedBoatRace. Ziel ist, ein Benchy so schnell wie möglich zu drucken. Die Regeln schreiben unter anderem Schichthöhe und Linienbreite vor, schön muss das Ergebnis aber nicht sein.

Die Zeiten sind über die Jahre stark gefallen. Im Januar 2024 berichtete Tom’s Hardware über einen umgebauten Bettschubser, der ein Benchy in 2 Minuten und 9 Sekunden schaffte. Im Mai 2026 druckte Jan Roetz mit seinem Eigenbau “Minuteman” ein Benchy in 59 Sekunden, nach eigenen früheren Bestmarken von unter 2 Minuten und 74 Sekunden. Das sind Community-Rekorde, keine offiziell beglaubigten. Mehr dazu in 3D-Druck-Rekorde.

Das winzige Benchy

2020 druckten Forschende der Universität Leiden ein Benchy, das nur 30 Mikrometer lang ist, etwa ein Drittel so dick wie ein Haar. Gedruckt wurde es mit Zwei-Photonen-Polymerisation, bei der ein Laser in einem Tropfen Harz nur im Brennpunkt aushärtet. Das Boot war Teil einer Studie zu Mikroschwimmern, also winzigen Teilchen, die sich durch Flüssigkeiten bewegen. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Soft Matter.

So wertest du dein Benchy aus

Ein Benchy ist nur so nützlich wie dein Blick darauf. So gehst du vor:

  1. Nur eine Sache ändern. Druckst du mehrere Benchys zum Vergleich, ändere pro Druck nur eine Einstellung.
  2. Messen statt schätzen. Mit einem Messschieber prüfst du Länge, Breite und Höhe gegen die Sollwerte. Weichen alle Maße in die gleiche Richtung ab, lohnt ein Blick auf die Kalibrierung.
  3. Erste Schicht prüfen. Ist die Gravur unten gut lesbar? Ist der Rand unten breiter als der Rest, liegt Elefantenfuß vor.
  4. Überhänge ansehen. Hängt der Bug unten durch oder ist das Kajütendach rau, fehlt Kühlung oder die Temperatur ist zu hoch.
  5. Fäden und Kleckse suchen. Fäden zwischen Schornstein und Kajüte deuten auf Stringing hin.
  6. Oberfläche mit Licht prüfen. Halte das Boot schräg gegen eine Lampe. Wellen neben Kanten zeigen Ghosting, versetzte Schichten einen Layer Shift.

Ein perfektes Benchy heißt übrigens nicht, dass alles perfekt druckt. Es testet keine großen Flächen, kein Warping und keine Maßhaltigkeit von Passungen. Für die gezielte Fehlersuche gibt es eigene Testmodelle.

Weiter mit: Drucker kalibrieren und Stringing beheben.