Kunststoff mit UV bedrucken: was haftet und was nicht
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Auf manchen Sorten hält UV-Tinte so gut, dass du sie kaum wieder abbekommst. Auf anderen perlt sie fast ab. Der Grund ist die Oberflächenenergie, und wer sie versteht, kann vor dem ersten Druck abschätzen, ob ein Material funktioniert.
Warum manche Kunststoffe nicht wollen
Damit Tinte haftet, muss sie die Oberfläche benetzen. Das gelingt nur, wenn die Oberfläche eine höhere Oberflächenenergie hat als die Tinte. Gemessen wird sie in mN/m, in der Branche oft noch in “dyn/cm”.
PP und PE liegen unbehandelt bei etwa 30 bis 32 mN/m. Für gute Haftung von Tinten und Klebstoffen gelten etwa 40 mN/m und mehr als Ziel. Deshalb perlt Tinte auf PP und PE ab, ähnlich wie Wasser auf einer gewachsten Fläche. Silikon liegt noch tiefer.
Mit Testtinten aus dem Fachhandel kannst du die Oberflächenenergie selbst grob prüfen. Für den Alltag reicht aber meist der Klebeband-Test nach dem Druck.
Die Übersicht
| Kunststoff | Haftung | Primer | Typische Produkte |
|---|---|---|---|
| ABS | gut | meist nein, bei Hochglanz testen | Gehäuse, Spielzeug, Schilder |
| PC (Polycarbonat) | gut | oft nein, testen | Handyhüllen, Schutzscheiben |
| PVC | sehr gut | nein | Hartschaumplatten, Karten, Werbetechnik |
| PET, PETG | gut | meist nein | Platten, Folien, Verpackungen |
| Acryl (PMMA) | mittel bis gut | oft ja | Aufsteller, Schilder |
| PP | schlecht | Spezialprimer | Boxen, Ordner, Deckel |
| PE | schlecht | Spezialprimer | Flaschen, Dosen, Schneidebretter |
| Silikon | sehr schlecht | kaum wirksam | Armbänder, Hüllen, Backformen |
| TPU | mittel | testen, flexible Tinte | weiche Handyhüllen, Folien |
Für Acryl gibt es einen eigenen Artikel: Acryl und Glas bedrucken.
Primer für Kunststoffe
Auf ABS, PVC und PET brauchst du meist keinen Primer. Auf glänzenden oder unbekannten Oberflächen lohnt sich trotzdem ein Vergleichstest: eine Hälfte mit, eine ohne.
Für PP und PE gibt es eigene Spezialprimer. Normale Kunststoff- oder Universalprimer reichen dort meist nicht. Auch mit Spezialprimer bleibt das Ergebnis unsicherer als bei anderen Kunststoffen. Rechne damit, dass ein Teil der Drucke den Klebeband-Test nicht besteht. Wie du Primer aufträgst, steht im Artikel über Primer.
Vor jedem Druck gilt: Kunststoffteile aus der Produktion haben oft Trennmittel auf der Oberfläche. Mit Isopropanol reinigen, trocknen lassen, nicht mehr anfassen.
Beflammen und Corona
In der Industrie wird PP und PE vor dem Druck mit einer Flamme, mit Corona-Entladung oder mit Plasma behandelt. Das hebt die Oberflächenenergie kurzfristig an. Der Effekt lässt mit der Zeit nach, deshalb wird kurz vor dem Druck behandelt.
Für Einsteiger und kleine Werkstätten ist das selten eine Option. Beflammen mit einem Brenner ist schwer reproduzierbar, kann Teile verformen und ist bei brennbaren Kunststoffen ein Sicherheitsrisiko. Wenn du regelmäßig PP oder PE bedrucken musst, lohnt sich eher UV-DTF als Umweg. Mehr dazu in UV-DTF.
Handyhüllen: PC oder TPU?
Handyhüllen sind ein beliebtes Produkt, und das Material entscheidet über die Haltbarkeit.
Harte Hüllen aus PC lassen sich gut bedrucken. Die Fläche ist steif, die Tinte bricht nicht. Durchsichtige PC-Hüllen kannst du auch von innen bedrucken, dann liegt das Motiv geschützt.
Weiche Hüllen aus TPU biegen sich beim Anziehen und Abziehen. Harte Tinte bekommt dabei Risse, besonders an den Kanten. Flexible Tinte hält deutlich besser. Manche Hüllen kombinieren eine harte Rückseite aus PC mit einem weichen Rand aus TPU. Dann bedruckst du nur die harte Fläche.
Bei Silikonhüllen solltest du auf UV-Direktdruck verzichten.
3D-Drucke bedrucken
UV-Druck und 3D-Druck passen gut zusammen: Du druckst eine Form und gibst ihr danach ein farbiges Motiv. PLA und PETG funktionieren in der Regel gut. Ein paar Punkte helfen:
- Helle Filamente in Weiß oder Hellgrau sparen den Weißunterdruck.
- Druckrichtung: Die Oberseite einer flachen Platte ist oft weniger glatt als die Unterseite auf einer glatten Druckplatte. Die Unterseite eignet sich daher oft besser.
- Schichtlinien: UV-Tinte zeichnet Rillen nach. Seitenflächen bei Bedarf glatt schleifen.
- Ebene Flächen: Tiefe Vertiefungen erreicht die Tinte nicht sauber. Flache Bereiche einplanen.
- Wärme: PLA wird schon bei etwa 55 bis 60 °C weich. UV-LED-Lampen werden zwar weniger heiß als alte Quecksilberlampen, aber dünne Teile sollten trotzdem nicht zu lange unter der Lampe liegen.
Welche Filamente sich wofür eignen, steht im Bereich Filamente.
Fürs Gewerbe
Frag bei Rohlingen immer nach dem genauen Kunststoff. “Kunststoffbox” oder “Plastikflasche” reicht nicht. Viele günstige Rohlinge sind aus PP oder PE, und genau dort kommen später Reklamationen wegen abblätternder Drucke. Ein kurzer Klebeband-Test an einem Muster spart dir eine ganze Charge Ausschuss.
Weiter mit: Primer und der Materialübersicht.