Brim, Skirt oder Raft: Was brauchst du wann beim 3D-Druck?

Einstellungen4 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Brim, Skirt und Raft sind drei Hilfsstrukturen, die der Slicer rund um oder unter dein Teil druckt. Sie sehen ähnlich aus, haben aber ganz unterschiedliche Aufgaben. Wer sie verwechselt, verschwendet Material oder kämpft weiter mit Teilen, die sich vom Bett lösen.

Die drei im Überblick

SkirtBrimRaft
Was ist das?Linie mit Abstand um das Teilflacher Rand direkt am Teilmehrschichtige Plattform unter dem Teil
Berührt das Teil?neinja, in der ersten Schichtja, das Teil steht darauf
HauptzweckDüse vorbereiten, erste Schicht prüfenmehr Haftfläche gegen AblösenUnebenheiten ausgleichen, sehr kleine Auflagefläche
Materialverbrauchsehr geringgeringhoch
Einfluss auf die Unterseitekeinerkleiner Grat am Randrauere Unterseite
Heute nötig?optionaloft sinnvollselten

Skirt: zum Anlaufen

Ein Skirt ist eine oder mehrere Linien, die mit etwas Abstand um das Teil laufen. Er hat keine Verbindung zum Teil und hilft nicht bei der Haftung.

Wofür er gut ist:

  • Die Düse baut Druck auf, bevor es ans eigentliche Teil geht.
  • Du siehst schon nach wenigen Sekunden, ob die erste Schicht passt. Wie die aussehen sollte, steht in Erste Schicht hält nicht.

Typische Werte: 1 bis 3 Linien, 3 bis 6 mm Abstand zum Teil, eine Schicht hoch. Viele aktuelle Drucker drucken vor jedem Druck ohnehin eine Reinigungslinie am Rand des Betts. Dann ist der Skirt verzichtbar, und manche Herstellerprofile haben ihn deshalb standardmäßig aus.

Sonderfall Windschutz

Manche Slicer können den Skirt über die ganze Höhe des Teils hochziehen (in PrusaSlicer “Draft shield”). Er schirmt das Teil gegen Luftzug ab und kann bei ABS und ASA in offenen Druckern helfen. Einen geschlossenen Bauraum ersetzt er nicht.

Brim: gegen Ablösen

Ein Brim ist ein flacher Rand aus mehreren Linien, der in der ersten Schicht direkt am Teil anliegt. Er vergrößert die Auflagefläche genau an den Kanten, wo die Kräfte beim Abkühlen am größten sind. Nach dem Druck ziehst du ihn ab.

Wann du ihn brauchst:

  • Material mit hoher Schrumpfung wie ABS, ASA, Nylon oder PC
  • große, flache Teile mit scharfen Ecken
  • hohe, schmale Teile mit kleiner Standfläche
  • kleine Einzelteile, die sich leicht lösen

Typische Werte:

EinstellungWert
Brim-Breite3 bis 5 mm für PLA und PETG, 5 bis 10 mm für ABS, ASA, PA, PC
Abstand zum Teil0 bis 0,1 mm, größer heißt leichter zu entfernen, aber weniger Halt
Artnur außen

Prusa empfiehlt mindestens 3 mm, die Bambu-Lab-Standardprofile nutzen 5 mm. Ein Brim an Innenkonturen (zum Beispiel in Löchern) lässt sich schwer entfernen und bringt wenig. Lass ihn außen.

Bei Warping-Problemen ist der Brim nur ein Baustein. Die Umgebung ist oft wichtiger, siehe Warping.

Mouse Ears

Mouse Ears sind kleine runde Brim-Scheiben nur an den Ecken. Sie halten genau dort, wo sich ein Teil zuerst hebt, sparen Material und lassen sich schneller entfernen als ein ganzer Brim. Gerade Kanten bleiben sauber.

OrcaSlicer kann Mouse Ears automatisch an spitzen Ecken setzen. Über einen Winkel stellst du ein, ab welcher Ecke ein Ohr entsteht. In anderen Slicern kannst du kleine Scheiben als eigene Objekte an die Ecken setzen oder den Brim nur an bestimmten Stellen aufmalen.

Raft: heute selten nötig

Ein Raft ist eine mehrschichtige Plattform. Zuerst druckt der Drucker einige dicke Grundschichten, darauf eine feinere Kontaktschicht und erst dann das Teil. Zwischen Raft und Teil bleibt ein kleiner Spalt, damit es sich trennen lässt.

Früher war ein Raft oft der Standard, weil Druckbetten uneben, schlecht beheizt oder nicht vermessen waren. Heute haben die meisten Drucker beheizte Federstahlplatten mit PEI-Beschichtung und eine automatische Bettvermessung. Damit ist ein Raft in den meisten Fällen unnötig.

Sinnvoll ist ein Raft noch:

  • bei Teilen mit sehr kleiner oder unregelmäßiger Auflagefläche, etwa Figuren auf dünnen Füßen
  • wenn ein Teil auf Stützen steht und die Stützen selbst Halt brauchen
  • bei sehr stark warpenden Materialien, wenn ein Brim nicht reicht

Nachteile: deutlich mehr Material und Zeit, eine rauere Unterseite und oft ungenaue Maße am Boden. Der Abstand zwischen Raft und Teil entspricht dem bei Stützen. Mehr dazu in Stützstrukturen.

Entscheidungshilfe

  1. Hält das Teil ohne Hilfe gut und ist aus PLA oder PETG? Dann nichts, höchstens ein Skirt.
  2. Hebt es sich an Ecken oder ist es hoch und schmal? Brim oder Mouse Ears.
  3. Material mit hoher Schrumpfung? Brim, dazu geschlossener Bauraum.
  4. Winzige oder unregelmäßige Auflagefläche? Raft.

Wenn sich ein Teil dagegen zu gut festhält, hilft Druck löst sich nicht.